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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Rastlos in Ruhepausen

Foto: © ALDECAstudio - Fotolia.com, Quelle: BKK VBUDas Restless Legs Syndrom erzeugt bei den Betroffenen einen hohen Leidensdruck
Fast jeder Zehnte leidet regelmäßig an Stechen und Kribbeln, Ziehen und Spannen in den Beinen. „Ameisenlaufen“ oder „Zappelbeine“ werden die Beschwerden im Volksmund oft genannt. Sie treten vor allem abends und nachts auf, sodass an erholsamen Schlaf nicht zu denken ist. Körperliche und seelische Erschöpfung sind dann im Alltag oft die Folgen. Restless Legs Syndrom (RLS) heißt diese Erkrankung nach ihrem Leitsymptom, der motorischen Unruhe in den Beinen. Heilbar ist sie nicht, doch es gibt erfolgreiche Methoden, sie zu behandeln.

Verlust an Lebensqualität
Ausgerechnet dann, wenn man zur Ruhe kommt und entspannen möchte – wie etwa abends beim Lesen oder Fernsehen oder nachts im Bett – treten die lästigen Beschwerden auf. „Die Missempfindungen reichen von leichtem Kribbeln bis hin zu stechenden Schmerzen und werden von dem Drang begleitet, aufzustehen und die Beine zu bewegen“, erläutert Michael Tesch, beratender Arzt der BKK VBU.

Das Dehnen und Anspannen der Muskeln bringt jedoch nur kurzfristig Linderung, dann beginnt die Qual von neuem. Oft beschreiben sich die Betroffenen als „Nachtwanderer“, denn nur ständiges Umhergehen hält die Schmerzen in Schach. Die Symptome können einseitig, beidseitig oder abwechselnd auf der einen und anderen Seite auftreten. Selten sind auch Arme und Hände betroffen. RLS-Patienten stehen unter einem hohen Leidensdruck.

„Patienten, die unter erheblichen Schlafstörungen leiden, haben mit Erschöpfung, verminderter Leistungsfähigkeit und Stimmungsschwankungen zu kämpfen“, so der Experte. „Die Lebensqualität von behandlungsbedürftigen Patienten ist deutlich vermindert, manchmal auch mit Auswirkungen auf das soziale Leben.“

Botenstoffe in der richtigen Balance
Das Restless Legs Syndrom tritt meist vor dem 45. Lebensjahr erstmalig auf. Frauen erkranken öfter als Männer. Es kommt in Familien gehäuft vor, was für eine erbliche Veranlagung spricht. Noch ist nicht geklärt, was die Beschwerden verursacht, deshalb spricht man von einer idiopathischen Erkrankung. Als gesichert gilt, dass beim RLS die Übertragung von Nervensignalen gestört ist. Daran ist vor allem der Botenstoff Dopamin beteiligt. Gerät der Dopaminhaushalt aus dem Gleichgewicht, können Nervenimpulse im Gehirn oder Rückenmark nicht mehr reibungslos weitergeleitet werden. Dies führt dann zu den charakteristischen Empfindungsstörungen.

„Heilen lässt sich die Krankheit nicht. Allerdings kann man mit Medikamenten, die in den Dopaminstoffwechsel eingreifen, den Betroffenen ein fast beschwerdefreies Leben ermöglichen“, erklärt Michael Tesch. Zwei Gruppen von Wirkstoffen stehen zur Verfügung: zum einen Levodopa, eine Vorstufe des Dopamins, das im Körper zu „echtem“ Dopamin umgebaut wird, zum anderen gibt es Präparate, die die Wirkung des Dopamins nachahmen (Dopaminagonisten). Die häufig geäußerte Vermutung, dass ein Zusammenhang zwischen RLS und Parkinson besteht, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.

Ursachenforschung ernst nehmen
Die typischen Beschwerden des RLS treten bisweilen auch als Begleiterscheinungen von anderen Erkrankungen auf (sekundäres RLS). So kann zum Beispiel ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure zum RLS führen, weil sie eine wesentliche Bedeutung für die Funktion der Nervenzellen haben. Auch Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, zum Beispiel Dialysepatienten, leiden häufig an RLS. Viele Frauen erkranken während einer Schwangerschaft daran, die Beschwerden verschwinden nach der Geburt jedoch von selbst wieder.

Begünstigt wird RLS auch durch erhöhten Alkoholkonsum und die Einnahme bestimmter Arzneimittel, die den Dopamin-Stoffwechsel beeinflussen (Antidepressiva, Mittel gegen Übelkeit, Präparate gegen Epilepsie und Medikamente, die die Produktion von Magensäure vermindern). „Hier muss in Absprache mit dem behandelnden Arzt geklärt werden, ob es Alternativen zu den verabreichten Medikamenten gibt“ rät Michael Tesch. „Schließlich kann das RLS auftreten, wenn periphere Nerven geschädigt sind, zum Beispiel infolge von Diabetes.“

Wege zu erholsamem Schlaf
Um ihre Lebensqualität zu verbessern, sollten RLS-Patienten unbedingt ärztliche Hilfe – am besten die Hilfe eines Neurologen – in Anspruch nehmen. Darüber hinaus kann jeder selbst etwas tun, um die Beschwerden zu lindern: Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Kaffee, schwarzen Tee und Cola sowie Alkohol nur sparsam genießen. Auf Entspannungstechniken wie Yoga, Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training verzichten – sie verschlimmern die Beschwerden. Körperliche Erschöpfung und sportliche Anstrengung zu später Stunde meiden (Spaziergänge sind erlaubt!). Beine vor dem Schlafengehen mit einem Fußbad verwöhnen und mit Kühlsalbe einreiben.

Tipp:
Unterstützung und Rat erhalten Betroffene auch bei den RLS-Selbsthilfegruppen. Einen Kontakt können Sie über die Deutsche Restless Legs Vereinigung (RLS e.V.) oder unter www.restlesslegs.org herstellen.

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