// sie lesen ...

Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Wenn Stress krank macht

Nicht jeder stressige Arbeitstag ist schädlich. Es ist wie mit allen anderen Dingen auch: Die Dosis ist entscheidend. Ein Stückchen Schokolade in der Woche macht noch lange nicht dick. Gönnt man sich dagegen jeden Tag eine Tafel, sind die Folgen verheerend. Ebenso ist es mit dem Stress: Ein bisschen kann beflügeln. Zuviel und zu oft machen krank – vor allem die Seele.

Gut zwei Tage im Jahr ist jeder Beschäftigte in Deutschland aufgrund einer psychischen Diagnose krank geschrieben. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse hervor. Die Studie zeigt, dass die psychisch bedingten Fehlzeiten im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen sind – um 6,3 Prozent. Ein erhöhtes Risiko haben laut der Studie Beschäftigte in Dienstleistungsberufen wie Callcenter-Mitarbeiter, Pflegepersonal und Erzieher. Viele von ihnen sind zwischen Mitte Dreißig und Mitte Fünfzig – Menschen, die oftmals doppelt oder dreifach belastet sind: Zum einen stellen sich beruflich die entscheidenden Weichen für die Karriere. Zum anderen kümmern sie sich um ihre Kinder und nicht selten auch um die Pflege der Eltern. Zu einem ähnlich alarmierenden Ergebnis kommt das Fürstenberg-Institut. Bei einer Umfrage fühlten sich mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer psychisch belastet. Stress und Erschöpfung haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, resümiert das Institut in seinem Performance Index 2011. 84 Prozent gaben Probleme am Arbeitsplatz an, aber genauso viele sprachen auch von der Schwierigkeit Beruf und Privatleben zu vereinbaren.

Wachsende Anforderungen im Job
Vermutlich haben auch die wachsenden Anforderungen im Job ihren Anteil daran: Die Arbeit hat sich in den vergangenen Jahren immens beschleunigt und verdichtet. Leistungsdruck, Konkurrenz und Tempo sind die beherrschenden Parameter des Berufslebens einer globalisierten Welt. Doch nicht nur das schlägt den Menschen aufs Gemüt. Laut einer Langzeitstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin deutet vieles daraufhin, dass auch die modernen Kommunikationsmittel wie E-Mail und Blackberry sowie die seit Jahren steigende Mobilität belastet. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, beim Arbeiten ständig gestört und unterbrochen zu werden. Und auch das Multitasking raube ihnen die Nerven. Psychische Erkrankungen sind seit einigen Jahren nicht nur einer der häufigsten Gründe für Fehltage. Seit 1994 haben sie um achtzig Prozent zugenommen. Das hat eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ergeben. Psychische Erkrankungen sind heute auch der häufigste Grund für Behandlungen im Krankenhaus – vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder Rückenschmerzen. Ständiger Stress beeinträchtigt die Funktion der Nervenzellen und kann eine Depression bewirken. Depressionen sind allerdings nicht die einzige Folge, wenn Menschen ständig unter Strom stehen. Auch der Körper nimmt Schaden durch eine anhaltend hohe Ausschüttung von Stresshormonen. Sie versetzen den Menschen in Alarmbereitschaft: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Energiereserven werden mobilisiert. Verdauung, Immunsystem und Sexualtrieb hingegen werden unterdrückt. Ist eine bestimmte Konzentration im Blut erreicht, wirkt dies einer weiteren Ausschüttung an Botenstoffen im Gehirn entgegen – Entspannung tritt ein. Bei Dauerstress ist dieser Regelkreis gestört. Das führt zu vielen Erkrankungen, angefangen bei Angst und Schlafstörungen über eine erhöhte Infektanfälligkeit und das Reizdarmsyndrom bis hin zu Übergewicht und Diabetes.

Erste Warnzeichen erkennen
Es gibt viele Warnzeichen, dass dauerhafter Stress nicht mehr gut tut. Antriebslosigkeit, Aggressivität, Mattheit, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Reizbarkeit und Weinerlichkeit sind nur einige von ihnen. Auch chronische Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Beschwerden zeigen an: Stopp, hier muss ich innehalten und etwas gegen diesen Stress tun. Wer sich nach einer turbulenten Zeit rasch erholen kann, erkrankt weniger oft an Stressfolgen. Belastbar wird man vor allem, wenn man sich in belastenden Situationen nicht so schnell aufregt oder ängstigt. Mit anderen Worten: Wenn man gelassener ist. Sich zu entspannen kann man lernen. Dazu gibt es systematische Methoden. Aber auch Sport, die tägliche Erholung und ein persönliches Zeitmanagement helfen. Wenn das nicht geht, sollte man die eigenen Einstellungen prüfen. Vielleicht erwartet man auch zuviel von sich und setzt sich selbst unnötig unter Druck. Das eigene Limit zu erkennen, das ist in der Arbeitswelt des neuen Jahrtausends wohl die größte Herausforderung.

Diskussion

Keine Kommentare zu “Wenn Stress krank macht”

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies und Google AdSense. Mit der Nutzung erklären Sie sich damit einverstanden. Details

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen