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Der Spagat zwischen zunehmender Spezialisierung und einer guten Versorgung in der Breite Seit über 100 Tagen leitet Prof. Dr. med. Benjamin Bücking als Chefarzt die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie an den DRK-Kliniken Nordhessen. Grund genug für uns, den sympathischen Chefarzt zum Interview einzuladen und mit ihm ein Fazit über das Ankommen in der Klinik und in Kassel zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Zuletzt war der 1979 in Coesfeld geborene Mediziner als leitender Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie tätig. Kassel ist ihm nicht unbekannt: Bereits in den Jahren 2012–2013 arbeitete er als Assistenzarzt an der orthopädischen Landesklinik in der documenta-Stadt. Vitales Nordhessen: Das Portfolio wurde Vum die Bereiche der Altersorthopädie und Endoprothetik erweitert und der Bereich der Alterstraumatologie weiterentwickelt. Wie bewerten Vitales Nordhessen – eine Region für die Gesundheit | 11 Sie diese Maßnahmen? Prof. Dr. med. Benjamin Bücking: Ich bewerte die Maßnahmen als sehr positiv. Aufgrund des demografischen Wandels sind die Themen für unsere Patienten hoch relevant und wir sind immer mehr auf die Behandlung von älteren Menschen mit Verschleißerkrankungen spezialisiert. Die Patienten profitieren davon, dass wir sie gemeinsam mit unseren Geriatern im Haus behandeln. Vitales Nordhessen: Hat es weitere strukturelle Veränderung gegeben? Prof. Bücking: Die wesentliche und weitere strukturelle Veränderung ist, dass ich neben meiner Chefarztfunktion für die Abteilung Orthopädie, Unfallchirurgie und Alterstraumatologie nun auch die Notaufnahme leite. Ich kann meine Erfahrungen aus meinen vorherigen Stationen einbringen und wir werden die Notaufnahme weiterentwickeln, um unsere Patienten schnellstmöglich und fachlich auf höchstem Niveau behandeln zu können. Vitales Nordhessen: Inwiefern profitieren Ihre Patienten nun davon? Prof. Bücking: Unsere älteren Patienten profitieren davon, dass wir mit Behandlungsalgorithmen und -leitlinien arbeiten. So muss beispielsweise ein demenzkranker Patient eine andere Behandlung erfahren oder bei typischen Brüchen wie bei einem Schenkelhalsbruch wird die Behandlung interdisziplinär mit den anderen Berufsgruppen wie Pflegekräften, aber auch Physiotherapeuten abgestimmt. Vitales Nordhessen: Wie waren die ersten 100 Tage? Prof. Bücking: Spannend, aufregend, abwechslungsreich und intensiv: Die Leitung einer Abteilung als Chefarzt ist eine große Herausforderung, aber es ist sehr erfüllend, wenn man sieht, dass die Pflanzen, die man sät, sprießen und sich weiterentwickeln. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich mit sehr offenen Armen empfangen. Die ersten 100 Tage haben dazu gedient, eine Bestandsaufnahme zu machen, Dinge anzustoßen und Veränderungen einzuleiten. Vitales Nordhessen: Was war das schönste Erlebnis nach Ihrer Ankunft in Kassel? Prof. Bücking: Auf der privaten Seite: Der Einzug in unser eigenes Haus und damit verbunden das Gefühl, Heimat gefunden und angekommen zu sein. Beruflich gab es eine Vielzahl an schönen Erlebnissen, aber was mich sehr beeindruckt hat, war die Anteilnahme meiner Patientinnen an der Schwangerschaft meiner Frau mit unseren Zwillingen, die vor wenigen Tage auf die Welt gekommen sind. Eine Patientin hat uns sogar eine Krabbeldecke genäht und geschenkt. Es ist total schön, dass es sowohl mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch mit den Patientinnen und Patienten so menscheln. Vitales Nordhessen: Was ist für das Jahr 2019 noch geplant? Prof. Bücking: Wir bieten für unsere Patienten und deren Angehörigen, Interessierten sowie Fachärzten regelmäßig Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an. Dabei reicht das Spektrum von Patienten-Workshops über Seminare bis hin zu Fachvorträgen. Am 11. September 2019 liegt der Fokus auf dem Thema: Orthopädie rund ums Kniegelenk – von der Bandage bis zur Prothese. Das wird eine Informationsveranstaltung über Kniebeschwerden, -verletzungen und -erkrankungen. Wir stellen das gesamte Therapieportfolio vor – von der konservativen Therapie also Krankengymnastik über Bandagen bis hin zur Spritzentherapie, aber auch kleinere und größere operative Eingriffe und gelenkerhaltende Maßnahmen. Wir laden verschiedene Referenten ein und Interessierte haben die Möglichkeit, die Klinik, meine Person und mein Team kennenzulernen. Vitales Nordhessen: Die Entwicklung der Medizin zeichnet sich durch eine enorme Rasanz aus. Wo sehen Sie ihre Abteilung in zehn Jahren? Prof. Bücking: Die Abteilung wird sich sicherlich automatisch weiterentwickeln. Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld zwischen einer zunehmenden Spezialisierung und einer wohnortnahen und guten Versorgung in der Breite. Ich gehe davon aus, dass man in zehn Jahren nicht mehr in isolierten Abteilungen denkt, sondern gemeinsam mit Schmerztherapeuten und Neurologen die Behandlung erarbeitet und sich mehr verzahnt. Wir streben die Spezialisierung für die einzelnen Krankheitsbilder, aber auch eine größere Flexibilität in der Behandlung durch mehrere Ärzte an. Vitales Nordhessen: Wir bedanken uns für Ihre Zeit und gratulieren Ihnen und Ihrer Frau ganz herzlich zur Geburt Ihrer Zwillinge. Weitere Informationen unter: www.drk-nh.de/veranstaltungen Anzeige Von Kathrin Bode Prof. Dr. med. Benjamin Bücking. Foto: DRK-Kliniken Nordhessen


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