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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Der Angst die Zähne zeigen

Damit der Besuch beim Zahnarzt nicht dauerhaft zur Qual wird: Ängste früh angehen.Foto: © AntonioguillemWas man gegen Zahnarztphobie tun kann
Spätestens wenn der Bohrer surrt, der Absauger schlürft und die grelle Lampe blendet, verlässt viele der Mut: Angst vor dem Zahnarzt ist weit verbreitet. Nach aktuellen Schätzungen leidet jeder Zweite darunter. Was für die meisten aber nur als mulmiges Gefühl im Bauch wahrgenommen wird, entwickelt sich bei manchen Menschen zu einer regelrechten Phobie.

Allein der Gedanke an einen bevorstehenden Zahnarztbesuch löst bei Phobikern Angstsymptome wie Zittern, Übelkeit, Schwitzen und Herzrasen aus. Die Folge ist, dass Zahnarzttermine aufgeschoben oder abgesagt werden und selbst Schmerzen über längere Zeit ignoriert oder mit Schmerzmitteln betäubt werden, um den Gang zum Zahnarzt zu vermeiden. Die „Dentalphobie“ gilt mittlerweile als ernstzunehmendes Leiden, dem die Experten mit verschiedenen Therapien, von Entspannungsmethoden über Hypnose bis hin zur Vollnarkose, beizukommen versuchen.

„Die Ursachen für eine extreme Zahnarztangst finden sich oft in der Kindheit der betroffenen Patienten”, berichtet Christina Tietz, Zahnärztin der BKK VBU. Schlechte Erfahrungen mit Zahnärzten, die nach dem Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz” rustikal zu Werke gegangen sind, wirken in manchen Fällen ein Leben lang nach. Angst zu haben, ist aber kein persönliches Schicksal oder einfach Pech, mit dem man sich klagend abfinden muss. Es gibt Mittel und Wege, Zahnarztangst, wie auch andere Ängste, zu überwinden. Der erste Schritt besteht darin, sich seine Ängste offen einzugestehen anstatt sie zu verdrängen. Hilfreich dabei ist es, sich zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit Leidensgenossen auszutauschen oder Internetforen zu nutzen, beispielsweise www.zahnarzt-angst-forum.de.

Mut zum ersten Schritt
Der Weg zu einer angstfreien Zahnbehandlung ist gar nicht so schwer: Erkundigen Sie sich schon bei der Wahl des Zahnarztes nach seinen Erfahrungen mit der Behandlung
ängstlicher Patienten hat oder ob er sogar spezielle Behandlungsverfahren für Angstpatienten anbietet. Vereinbaren Sie zunächst einen Gesprächstermin, um den Arzt über Ihre Ängste zu informieren. Darauf folgen erst die Untersuchung und das Erstellen eines Behandlungsplans.

Bitten Sie den Arzt, während der Behandlung die einzelnen Schritte sowie die Instrumente zu erklären. Vereinbaren Sie vorher ein bestimmtes Handzeichen oder ein anderes Signal, mit dem Sie die Behandlung zu jedem Zeitpunkt stoppen können. Bringen Sie eine Begleitperson zur „moralischen Unterstützung” mit.

Entspannung schafft Erleichterung
Wenn auch das klärende Gespräch und die einfühlsame Vorgehensweise des Zahnarztes nicht ausreichen, um die Angst zu überwinden, helfen möglicherweise Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga. Mit diesen Verfahren, die die Betroffenen in speziellen Kursen erlernen können, lassen sich gezielt Spannungen und Blockaden lösen.

Für Patienten, die beim Zahnarzt beispielsweise den Brechreiz fürchten, reicht oft schon eine besondere Atemtechnik aus, um dieses unangenehme Gefühl erfolgreich zu bekämpfen. Anderen hilft es, wenn sie von den Geräuschen des Bohrens und Absaugers abgelenkt werden, indem sie zum Beispiel über Kopfhörer entspannender Musik lauschen. Manche psychologisch geschulten Zahnärzte setzen auf suggestive Verfahren und schicken ihre Patienten während der Behandlung auf „Phantasiereisen”. Immer beliebter werden auch so genannte Mind-machines: elektronisch gesteuerte Programme, die mittels einer Leuchtdioden-Brille zu einer Tiefenentspannung führen.

Schmerzfrei in Trance
Von da ist es nur noch ein Schritt zur Hypnose, die immer mehr Zahnärzte nach entsprechender Schulung an Patienten mit Angststörungen anwenden. Einen mit Hypnose arbeitenden Zahnarzt in der Nähe findet man auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose unter www.dgzh.de.

Bei neun von zehn Patienten kann dieses Verfahren erfolgreich eingesetzt werden. Völlige Schmerzfreiheit ist jedoch nicht garantiert, deshalb werden in den meisten Fällen zusätzlich Beruhigungsmittel verabreicht. Bei der Hypnose wird der rationale Teil des Gehirns „abgeschaltet”, unangenehme Empfindungen werden ausgeblendet. Der Heilungsprozess verläuft schneller. Vor der zahnärztlichen Behandlung in Hypnose sind zwei bis drei Einführungshypnosen nötig, in denen geübt wird, sich in die Trance zu vertiefen.

Während der Hypnose kontrolliert der Arzt auch, wie der Blutdruck und die Atmung des Patienten auf die Behandlung ansprechen. Für akute Fälle eignet sich die Hypnose wegen dieser Vorlaufzeit deshalb nicht. Die Hypnosebehandlung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten richten sich in freier Vereinbarung nach dem individuell notwendigen Aufwand für die Hypnosebehandlung.

Nach Ansicht einiger Psychotherapeuten ist Zahnarztangst oft nur Teil einer weiterreichenden Phobie. Mit einer speziellen Verhaltenstherapie können die Patienten lernen, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen und Angstgefühle durch die bewusste Steuerung ihres Denkens gelassener zu erleben. Die Angst wird stufenweise abgebaut, bis die Patienten in Begleitung ihres Therapeuten mit der angstauslösenden Situation, zum Beispiel dem Zahnarztbesuch, konfrontiert werden. Vier von fünf Patienten können so dauerhaft von ihren Ängsten befreit werden.

Letzter Ausweg Vollnarkose
Wenn nichts hilft, die Angst einzudämmen, dann bleibt als letzte Möglichkeit die Vollnarkose. Sie muss von einem Anästhesisten eingeleitet und überwacht werden. Der Aufwand sowie die höheren gesundheitlichen Risiken stehen oft in keinem Verhältnis zum notwendigen Eingriff. Außerdem packen die Betroffenen das Problem nicht an der Wurzel, denn die Narkose ist kein Heilmittel gegen die Zahnarztphobie. Die Vollnarkose bei zahnärztlichen Eingriffen ist und bleibt letztlich eine absolute Notlösung. Die Kosten muss der Patient selbst übernehmen. Die Krankenkassen kommen nur dafür auf, wenn die Behandlung in lokaler Anästhesie wegen der Ängste des Patienten unmöglich ist. Dafür muss der Patient seine Zahnbehandlungsphobie von einem Facharzt für Psychiatrie oder für psychotherapeutische Medizin bestätigen lassen und mit einem Attest nachweisen, dass er schon längere Zeit in Therapie ist.

 

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