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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Ein System gerät unter Druck

Immunsystem: Es muss Eindringlinge von außen abwehren. Im Stress mobilisiert es vermehrt Abwehrzellen im Blut, um gegen mögliche Krankheitserreger zu kämpfen. Auf Dauer hält diese Verteidigung jedoch nicht stand, denn es überwiegt die schädliche Wirkung des Stresshormons Cortisol, das die Abwehrreaktionen des Immunsystems drosselt. Die Folge: Das System gerät aus dem Gleichgewicht, läuft Amok und kämpft gegen den eigenen Körper. Erhöhtes Risiko: Infektionen, rheumatische Arthritis, Asthma, chronische Bronchitis, Allergien, Neurodermitis.

Hormone: Der Mensch wird von hormonellen Regelkreisen gesteuert. Eine seelische Überlastung sorgt dafür, dass diese aus dem Takt geraten. Cortisol mindert zum Beispiel die Wirkung von Insulin, das wichtig für die Aufnahme von Zucker in die Zellen ist. Die Bauchspeicheldrüse interpretiert einen Insulinmangel und schüttet mehr von dem Hormon aus. Bei lang anhaltender Ausschüttung von Cortisol wird die Drüse überfordert und die Insulinproduktion gestört. Es entsteht ein Mangel und damit Gefahr für Diabetes. Erhöhtes Risiko: Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Impotenz, Libidoverlust, Zyklusstörungen

Magen-Darm: Befindet sich der Körper in Alarmhaltung, verspürt er keinen Hunger. Dem Magen wird Blut entzogen, damit Muskeln und Gehirn mit ausreichend Energie versorgt werden. Dadurch wird das rhythmische Zusammenziehen der Magen- und Darm-Muskulatur langsamer. Unter chronischem Stress befindet sich der Körper ständig in dieser Situation; das schadet zum Beispiel der Verdauung. Erhöhtes Risiko: Verstopfung, Verdauungsbeschwerden, Magengeschwüre, Magenschleimhautentzündung, Reizdarm, Gastritis.

Muskeln: Unter körperlichem und emotionalem Stress spannt man die Muskeln an; auf Dauer führt das zu Verkrampfungen und Schmerzen. Zudem verbrennen die Muskeln viele Eiweiße, aus denen sie gebaut sind, und schrumpfen. Bei Stress wird im Schlaf mit den Zähnen geknirscht; auch hier ist die Ursache eine verkrampfte Muskulatur – die Zähne werden geschädigt. Erhöhtes Risiko: Spannungs-, Rücken- und Kopfschmerzen; Fehlhaltungen, Zahnbetterkrankungen; Verkrampfungen der Kiefermuskulatur

Gehirn: Chronischer Druck wird auch emotional spürbar: innere Unruhe, Unsicherheit, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit oder innere Leere. Der Grund: Die Stresshormone Cortisol und ACTH sind dauerhaft erhöht. Auch die Hirnstruktur kann sich verändern: Die Amygdala, wo Gefühle wie Wut oder Angst entstehen, ist überaktiv; der für positive Gefühle zuständige präfrontale Cortex wird unterfordert – die Schmerzschwelle sinkt. Es entsteht eine Neigung zu Gefühlen wie Angst oder Aggression. Folge: Überforderung, mangelnde Konzentration, Schlafstörungen, geminderte Leistungsfähigkeit. Erhöhtes Risiko: Depressionen, Angst- und Suchterkrankungen, Schlaf- und Essstörungen

Herz-Kreislauf-System: Unter Stress schüttet das Nebennierenmark vermehrt das Stresshormon Adrenalin aus. Die Atem- und Herzfrequenz wird erhöht, der Blutdruck steigt, mehr Sauerstoff und Glukose werden in Gehirn und Muskeln gepumpt, das Blut gerinnt rascher. Bleibt der Blutdruck bei chronischem Stress dauerhaft hoch, können sich Blutgefäße verhärten, brüchig werden und von Ablagerungen bis hin zur Verstopfung betroffen werden. Blut und Sauerstoff gelangen nicht mehr hindurch, was zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Erhöhtes Risiko: Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall.

Stress ist heute in allen Lebensbereichen allgegenwärtig. Leiden Menschen unter dauerhaftem Stress, wird der Körper durch die kontinuierliche Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin oder Cortisol geschädigt.

„Biologisch gesehen ist Stress ein sinnvolles Programm des Körpers im Sinne einer Alarmreaktion, die den ganzen Körper ergreifen kann und uns in einen Zustand höchster körperlicher Leistungsfähigkeit bringt, der den Urmenschen dazu gebracht hat, lebensgefährliche Situationen zu beherrschen und zu bewältigen“, sagt Martin von Hagen, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Werra-Meißner. Verantwortlich dafür sind Botenstoffe des Gehirns, die die Nebennierenrinde animieren, Stresshormone freizusetzen. Der Mensch wird flucht- und kampfbereit: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Energiereserven werden mobilisiert. Verdauung, Immunsystem und Sexualtrieb hingegen werden unterdrückt. Ist eine bestimmte Konzentration im Blut erreicht, wirkt dies einer weiteren Ausschüttung an Botenstoffen im Gehirn entgegen – der Mensch entspannt sich wieder.

Bei Dauerstress ist dieser Regelkreis gestört. „Wenn wir keine Erholungsphase haben, bleibt der innere Erregungszustand und es kommt zu einer krankheitsfördernden Umwandlung nicht verbrauchter Energie“, erklärt von Hagen. „Das kann zu Erkrankungen führen: Bluthochdruck, Herzrasen, Angst- und Schlafstörungen, Reizdarmsyndrom, Übergewicht oder Diabetes. Ebenso werden Verhalten, Gedanken und Gefühle beeinflusst.“ Die Folgen von Stress bringen neuen Stress. „Wir befinden uns im Teufelskreis“, sagt Martin von Hagen. Es gibt viele Warnzeichen, dass dauerhafter Stress nicht mehr gut tut. Antriebslosigkeit, Aggressivität, Müdigkeit, Konzentrationsmangel und Reizbarkeit sind nur einige von ihnen, die dem Menschen zeigen: Stopp, hier muss ich innehalten und etwas gegen diesen Stress tun.

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