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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Gerade so geduldet

Kommentar: Am Donnerstag, 21. März, ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Das Datum spielt darauf an, dass das 21. Chromosom bei Betroffenen dreifach existiert. Wegen dieses dreifachen Chromosoms begegnen ihnen noch heute viele unzeitgemäße Vorurteile, obwohl Menschen mit Down-Syndrom ganz normal sind: Oft spielen sie Musikinstrumente besser als vermeintlich „gesunde“ Menschen, manchmal haben sie auch Abitur oder studieren, alle haben Spaß am Leben.  Aber durch den Gesundheitsfimmel des Zeitgeistes erblicken manche Babys mit Down-Syndrom noch nicht mal das Licht der Welt.

Foto (Illustration): pixabay.comDenn es scheint, als ob sich vieles gegen sie verschworen hätte: Über den Zeitgeist und den allgemeinen Gesundheitsfetischismus hinaus sind es einige abtreibungsbefürwortende Ärzte, die gesetzlichen Krankenkassen und scheinbar sogar die ihr Profil verlierende Kirche in Deutschland.

Aufgeweicht: das Recht auf Leben
Gerade erfährt der § 219a des Strafgesetzbuches eine Revision. Eigentlich verbietet er bisher Werbung für Abtreibung. Ein neuer Absatz vier eines Gesetzesentwurfs würde etwa Ärzten und Krankenhäusern erlauben, über ihre entsprechenden Angebote zu informieren. Und: die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) scheint irgendwie auch keine hundertprozentig klare Linie mehr gegen Abtreibung zu zeigen: Vor einigen Monaten hat die EKD ein Positionspapier zum Thema „nichtinvasive Pränataldiagnostik“ veröffentlicht. Der Begriff bezeichnet neue und unkomplizierte Methoden, mit denen Frauenärzte zum Beispiel genetische Abweichungen von der „Norm“ bei ungeborenen Babys entdecken. Dies liefert schwangeren Frauen dann Anreize, Babys mit Down-Syndrom abzutreiben. In der kirchlichen Stellungnahme heißt es: „Denn so sehr Einzelne immer eingebunden sind in ein soziales Umfeld: Die Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme pränataler genetischer Diagnostik, wie auch die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch, muss letztlich von der schwangeren Frau bzw. den werdenden Eltern selbst getroffen werden.“

Derartige Sätze aus dem Positionspapier wirken verstörend oder sind zu schwammig formuliert und deshalb missverständlich. Dennoch: Eine christliche Ethik sollte eben darauf abzielen, Abtreibung nur in seltenen Ausnahmefällen zu erlauben (kriminologische Gründe oder Lebensgefahr für die schwangere Frau oder das ungeborene Baby). Denn jeder Mensch hat das Recht zu leben, egal ob „gesund” oder mit psychischer, geistiger oder physischer Behinderung.

Voraussichtlich zahlen die Krankenkassen diese pränatal-diagnostischen Methoden schon bald. Somit könnten sie dann in das Oeuvre aller Tests für schwangere Frauen und ihre ungeborenen Babys aufgenommen werden: Als kostenloser Anreiz zur Selektion im Namen einer Spezies, die – warum auch immer – nach Perfektion strebt. Wann hören die Menschen in Deutschland endlich auf, ihre Haustiere wichtiger zu erachten als ungeborenes menschliches Leben? Übrigens: Große europäische Denker, Wissenschaftler und Gönner der Menschheit waren schon auf verschiedene Weise „schwerbehindert”, wie man heute sagen würde: etwa Jean Jacques Rousseau (Verfolgungswahn) oder Vincent van Gogh (ungeklärte Psychose). Bei Mozart und Albert Einstein gibt es aus heutiger Sicht konkrete Hinweise, dass sie Autismus durchmachen mussten.

(Foto [Illustration]: pixabay.com)

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