// sie lesen ...

Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Wenn das Immunsystem dem Körper schadet

Volkskrankheit Allergie
Foto: fotolia.comNiesattacken, laufende Nase, juckende oder brennende Augen – das sind die unangenehmen, aber eher harmlosen Beschwerden, wenn der Körper allergisch reagiert. Die extreme Variante ist der allergische Schock, bei dem es bis zum Kreislaufzusammenbruch und Herzstillstand kommen kann. Daher sind Allergien nicht zu unterschätzen, zumal man sie mittlerweile als Volkskrankheit bezeichnen kann.

Laut der Deutschen Haut- und Allergiehilfe bestätigen Studien, dass sich die Zahl der Allergiker weltweit in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt bis verdreifacht hat – Tendenz steigend. Bald wird jeder Dritte auf etwas allergisch reagieren. Eine repräsentative Forsa-Umfrage für die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) aus dem Jahr 2012 hat gezeigt, dass Pollen die häufigsten Allergieauslöser sind (43 Prozent). Auf dem zweiten und dritten Platz lagen Hausstaubmilben (23 Prozent) und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (20 Prozent).

Was ist eine Allergie?
Eine Allergie ist eine krankmachende Überreaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Stoffe, die in diesem Fall als Allergene bezeichnet werden. Die Immunabwehr, die den Körper im Normalfall vor Krankheitserregern schützt, stuft diese Fremdstoffe fälschlicherweise als gefährlich ein und setzt den Abwehrmechanismus in Gang. Es werden zu viele Antikörper gebildet. Diese im Übermaß gebildeten Antikörper bewirken eine Sensibilisierung des Körpers gegenüber dem Allergen und verursachen die allergischen Symptome. Bereits kleine Mengen des Allergens können nun zu heftigen Reaktionen führen. Grundsätzlich kann jeder Stoff zum Allergieauslöser werden, seien es Pflanzen (zum Beispiel Gräserpollen, die Heuschnupfen hervorrufen), Tierprodukte (zum Beispiel Bienengift), Metalle (zum Beispiel Nickel), Lebensmittel oder Chemikalien (zum Beispiel Konservierungsstoffe). Die unangemessen starke Reaktion des Immunsystems kann mit der Zeit dazu führen, dass der Allergiker auf immer mehr Substanzen überreagiert.

Wie äußert sich eine Allergie?
Die Symptome einer Allergie können die Gesundheit massiv beeinträchtigen und sogar lebensbedrohlich sein. Die Beschwerden reichen von laufender oder verstopfter Nase und tränenden Augen über Juckreiz, Hautausschlag und Ekzeme bis hin zu Magen-Darm- sowie Atemproblemen. Die am häufigsten betroffenen Organe sind Haut und Schleimhäute.

Woher kommen Allergien?
Allergische Erkrankungen gehören mittlerweile bei Kindern zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Die Ursachen sind vielschichtig. Trotz eindringlicher Forschung ist es bisher noch nicht gelungen, die genauen Hintergründe der Allergien zu ergründen. Demzufolge gibt es auch noch keine ursächliche Therapie, die eine Allergie heilen könnte. Neben der genetischen Veranlagung spielen Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle.

Wie wird sie diagnostiziert?
Die Diagnose einer Allergie wird in der Regel von einem Facharzt für Allergologie gestellt und basiert auf den vier Säulen der Allergie-Diagnostik. Allerdings kann auch ein Internist anhand eines Bluttests feststellen, ob überhaupt eine Allergie vorliegt oder ob die Beschwerden andere Ursachen haben. Symptome, die auf eine Allergie hinweisen, sind unter anderem: häufige oder saisonbedingte Bindehautentzündungen, saisonabhängiger Fließschnupfen mit Niesanfällen, wiederholte, von Infekten unabhängige Bronchitis, akute Speisenunverträglichkeiten mit Reizmagen und anfallartigem Erbrechen, plötzlicher Durchfall, kolikartige Magenschmerzen nach bestimmten Speisen, Schwellungen in Gesicht, Mund oder Rachen, Juckreiz, Nesselfieber, Hautausschläge.

Wie werden Allergien behandelt?
Aktuell sind über 20 000 unterschiedliche Auslöser von Allergien bekannt. Umso schwieriger lässt sich herausfinden, worauf der Einzelne reagiert und wie er den Allergenen aus dem Weg gehen kann. Die Behandlung einer Allergie ist langwierig und erfordert viel Selbstbeobachtung und -disziplin. Ein Medikament, das Allergien heilt, gibt es nicht. Daher stützen sich alle Therapien auf die Prinzipien: Allergene meiden, allergische Symptome bekämpfen, Allergien vorbeugen. Da es nicht immer möglich ist, den Kontakt zum Allergen vollständig zu verhindern, helfen Medikamente, die allergischen Prozesse zu unterbinden oder abzuschwächen.

Konventionelle Heilmethoden
– Antihistaminika sind relativ weit verbreitet. Die meist rezeptfrei erhältlichen Produkte haben wenige Nebenwirkungen und sind effektiv. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Ceterizin und Loratadin.
– Kortison wird heutzutage erfolgreich in lokaler Form, also an der Stelle, an der Beschwerden auftreten, angewendet. Die Wirkung ist sehr gut und die Nebenwirkungen sind gering. Kortisonhaltige Präparate sind verschreibungspflichtig.
– DNCG ist ein spezieller Zellstabilisator, der das Ausschütten von entzündungsfördernden Botenstoffen (zum Beispiel Histamin) verhindern soll. Wird kaum noch angewendet, da der Erfolg als gering gilt.
– Hyposensibilisierung – Sofern Meidung und Medikamente nicht zum Erfolg führen, kann bei bestimmten Allergien eine Hyposensibilisierung (Desensibilisierung) erfolgen. Dabei wird dem Allergiker das für ihn relevante Allergen in steigender Dosis zugeführt, um den Körper daran zu gewöhnen.

Alternative Heilmethoden
Ergänzend zur Schulmedizin werden mehrere klassische Naturheilverfahren bei Allergien, Asthma und Neurodermitis eingesetzt. Diese klassischen Verfahren können die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. Zu klassischen Naturheilverfahren gibt es bis heute nur wenige aussagekräftige Studien. Eine bei Pollenallergien bewährte alternative Methode zur Linderung der Beschwerden ist die Akupunktur. Dies wurde auch in Studien belegt.

Allergie Info
Hier finden Sie vielfältige Informationen über Heuschnupfen & Co www.allergieinfo.de

Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA)
Wenn Sie einen Allergologen in Ihrer Region suchen, leistet die Ärzte-Suchmaschine gute Dienste www.aeda.de

Deutsche Atemwegsliga
Hier erfahren Sie unter anderem mehr zum Thema Heuschnupfen und Spezifische Immuntherapie (SIT) www.atemwegsliga.de

Deutscher Allergie- und Asthmmabund (DAAB)
Die Patienten- und Verbraucherorganisation hält viele wichtige Informationen für Allergiker bereit www.daab.de

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)
Fakten zum Thema und Links zum aktuellen medizinischen Leitlinien www.dgaki.de

 

Diskussion

Keine Kommentare zu “Wenn das Immunsystem dem Körper schadet”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Cookies und Google AdSense. Mit der Nutzung erklären Sie sich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen