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Ein glatter Erfolg

Wohl kaum ein Produkt, das in der Medizin eingesetzt wird, ist so mit Vorurteilen belastet wie Botox. Die meisten Menschen denken dabei an übertrieben glatt gespritzte Gesichter, mit denen vor allem Schauspielerinnen ihre Jugend konservieren möchten. Weit weniger bekannt ist, dass Botox lediglich ein Produktname ist und die Substanz Botulinumtoxin in erster Linie als Medikament für die Linderung von Erkrankungen eingesetzt wird. Priv. Doz. Dr. Dr. Arwed Ludwig erklärt, welche Möglichkeiten Botulinum (so der Kurzname) in der ästhetischen und organischen Medizin bietet. Botulinum ist besser als der ihm vorauseilende Ruf. „Es ist noch viel Aufklärung nötig, wie Botulinum wirkt und was man nicht nur ästhetisch damit leisten kann“, sagt Priv. Doz. Dr. Dr. Arwed Ludwig, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Direktor der MGK Medizinische und Gesichtschirurgische Klinik Kassel. Er sieht diese auch darin begründet, dass besonders die Medien nur den ästhetischen Aspekt in das Blickfeld rücken. Dass darin nicht immer die besten Beispiele genannt werden, nährt Mythen, Vorurteile und letzten Endes auch die Angst vor und Ablehnung von Botulinum. Es ist seit 2006 für die Faltenbehandlung zugelassen.

Richtig dosieren und platzieren
Ein Vorurteil gegen die Faltentherapie mit Botulinum ist, dass die Substanz eine starre Mimik hervorrufe. „Bei fachgerechter Anwendung gewinnt das Gesicht ein frisches Aussehen. Der Ausdruck bleibt natürlich und wirkt entspannt“, sagt Ludwig. Voraussetzung sei aber, dass die Behandlung von einem erfahrenen, geschulten Arzt durchgeführt wird, der die Injektionen richtig dosiert und platziert.dosiert und platziert.“ Auch ist die Kombinationsbehandlung der Falten mit Füllsubstanzen (Filler) zusätzlich zum Botulinum sehr sinnvoll, da zum einen die Muskelaktivität und damit die tiefe Faltenbildung reduziert und die Haut entspannt wird und zum anderen die Haut durch die Füllsubstanz aufgepolstert und regeneriert wird. Beide Verfahren sind somit nebeneinander sinnvoll und ergänzen sich.

Entspannung statt Lähmung
Ein anderer Mythos ist, die Substanz führe zu einer Lähmung rund um die behandelten Muskeln. „Es ist jedoch nicht richtig von einer Lähmung zu sprechen, sondern von Muskelentspannung“, sagt Ludwig. Die muskelentspannenden Eigenschaften des Medikaments hängen mit dessen besonderem Wirkprinzip zusammen: Die Substanz blockiert befristet die Reizübertragung zwischen Nerven und den verkrampften Muskeln. Die Folge: Der Muskel entspannt sich. Fälschlicherweise wird Botulinum häufig als Gift bezeichnet. Das basiert auf der Tatsache, dass es in nicht aufbereiteter Form und Dosis giftig ist. „Dagegen handelt es sich bei stark verdünntem, als Medikament aufbereitetem Botulinum, um ein sicheres, wirksames Arzneimittel, bei dessen Anwendung nur sehr selten vorübergehende Nebenwirkungen auftreten“, erklärt Ludwig. „Wichtig ist die Qualität, das heißt, die Reinheit der Produkte, für die unbedenkliche Anwendung.“

Behandlung neurologischer Erkrankungen
Belegt ist die Sicherheit und Wirksamkeit von Botulinum durch langjährige medizinische Forschung und Anwendungserfahrung, die bereits 1989 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur ersten Zulassung als Medikament führte. Seither hat sich die Substanz bei der Behandlung schwerer neurologischer Erkrankungen etabliert. Es gibt zwei Hautpindikationen, für die eine Botulinum-Therapie zugelassen ist: Dystonien und Spastiken. Dystonien sind Bewegungsstörungen, bei denen Menschen unwillkürlich bestimmte Muskeln bewegen müssen. Sie können Folge von Hirnschädigungen oder Schlaganfällen sein und die Betroffenen sehr belasten. Bei Spastiken sind Muskeln dauerhaft angespannt. Dadurch entstehen Fehlstellungen von Händen, Füßen, Beinen oder Armen. „Botulinum kann eine Dystonie oder Spastik nicht heilen, aber lindern“, sagt Ludwig.  HKK

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