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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Winterdepressionen: Menschen im Norden besonders betroffen

Ein regelmäßiger Spaziergang ist gut für die psychische Gesundheit. Foto (Illustration) : © Detail Blick Foto/FotoliaJeder kennt das Dilemma im Winter: Man geht morgens im Dunkeln zur Arbeit und abends bei der Rückkehr ist die Sonne auch schon wieder weg, wenn sie überhaupt scheint. Dann ist Vorsicht geboten. Denn der Lichtmangel kann die menschliche Gemütslage ziemlich verschlechtern, weiß Dr. Thomas Gärtner, Chefarzt der Schön Klinik Bad Arolsen. Mit ihm korrespondierte „Vitales Nordhessen“ über das Thema Winterblues und Winterdepressionen.

Im Juni lägen zwischen Sonnenaufgang und -untergang über 17 Stunden, hingegen sei es im Dezember nur acht Stunden hell, erklärt Dr. Gärtner: „Weniger Tageslicht hat Einfluss auf den Stoffwechsel des ,Schlafhormons‘ Melatonin, dessen Ausschüttung eine zentrale Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus spielt. Gleichzeitig führt es zu einer verminderten Produktion des ,Glückshormons‘ Serotonin, das unter anderem unsere Stimmung, unsere Körpertemperatur und auch unseren Appetit beeinflusst. Herbstmüdigkeit bzw. Winterblues können die Folge sein und bei entsprechender Veranlagung kommt es zu einer echten Winterdepression. In Breitengraden, in denen es keine jahreszeitlichen Schwankungen gibt, ist Winterdepression praktisch unbekannt, umso näher man an den Polarkreis kommt, desto häufiger tritt sie auf.“

Die Symptome seien dabei saisonal gebunden. Sie treten zwischen Herbst und Frühjahr auf: „Betroffene fühlen sich überwiegend niedergeschlagen und deprimiert, empfinden keine Freude und haben keinen Antrieb. Sie halten sich für wertlos oder haben unangemessene Schuldgefühle. Es fällt Ihnen schwer, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen. Es kommt zu Rückzug aus sozialen Kontakten. In schweren Fällen, beschäftigen sich depressive Menschen übermäßig mit dem Tod oder haben konkrete Suizidgedanken. Davon abzugrenzen sind leichtere Verstimmung und Antriebsschwäche, die in der dunklen Jahreszeit bei fast jedem fünften in Deutschland auftreten und die oft als ,Winterblues‘ bezeichnet werden.“

Wenn es in der Seele düster wird
Doch diese saisonal auftretende psychische Störung lässt es nicht nur dunkel in der Seele werden. Mit ihr verbunden sind auch körperliche Aspekte: „Bei einer Winterdepression besteht (…) häufig ein gesteigerter Appetit und Heißhunger auf Kohlenhydrate, vor allem auf Süßigkeiten. Dies führt – zusammen mit Bewegungsmangel – nicht selten zu Gewichtszunahme. Typisch sind zudem eine starke Müdigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis (…).“ Steige der Leidensdruck zu hoch und hätten Betroffene Probleme, den Alltag zu bewältigen, sollten sie einen Arzt aufsuchen: „Der kann feststellen, ob eine ,echte‘ Depression vorliegt und Behandlungsmaßnahmen wie eine Psychotherapie oder eine antidepressive Medikation einleiten. Lichttherapie kann bei leichten Formen auch alleine ausreichend sein. Ansonsten kann sie eine Psycho- und Pharmakotherapie unterstützen. Hierbei kommt eine Speziallampe mit hoher Lichtintensität zur Anwendung. Eine Sonnenbank oder normale künstliche Lichtquellen bringen dagegen nicht den gewünschten Effekt.“

Wie man gut drauf bleibt
Doch kann man bereits einer Stimmungsverschlechterung im Ansatz vorbeugen? Dr. Gärtner rät zu längeren Aufenthalten im Freien, Bewegung, ausgedehnten Herbstspaziergängen während der verbleibenden Sonnenstunden, „Lichtpausen“ an Arbeitstagen und Aufenthalten in Fensternähe, dem Genuß der angenehmen Seiten des Winters sowie sozialen Kontakten.

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