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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Neue Wege zum Herzen

Operative Eingriffe am Herzen und den Blutgefäßen gehören heute zur Routine. In Spezialkliniken wird mit immer schonenderen OP-Verfahren gearbeitet. Privatdozent (PD) Dr. Ardawan Rastan, Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ), spricht über moderne operative Möglichkeiten.

Ihren herausragenden Ruf hat sich die Klinik vor allem durch die ausschließliche Verwendung der beiden Brustwandarterien im Rahmen der koronaren Bypassoperationen erworben. „Brustwandarterien besitzen gegenüber allen anderen körpereigenen Gefäßen eine unerreicht gute Haltbarkeit. Das hat zur Konsequenz, dass erneute Kathetermaßnahmen und Reoperationen nur noch selten nötig werden, erklärt PD Dr. Ardawan Rastan die Vorteile. Mit der Verwendung beider Brustwandarterien ist es mit entsprechender Erfahrung auch möglich, alle drei Gefäßregionen des Herzens operativ zu versorgen und mehrere Bypässe anzulegen. So werden am HKZ routinemäßig drei bis fünf erkrankte Koronargefäße ausnahmslos mit den beiden Brustwandarterien überbrückt. „Das hat für die Patienten auch den Vorteil, dass auf Narben am Bein oder Arm verzichtet werden kann“, erläutert Rastan. Die Brustwandarterien gelten heute als höchste Qualität der chirurgischen Bypassversorgung. Umso erstaunlicher ist es, dass bundesweit weniger als 15 Prozent der Patienten in dieser Form operiert werden.

Hybrid-OP für minimal-invasive Verfahren
Seit dem Jahr 2010 verfügt das HKZ über einen der modernsten Hyprid-Operationssäle in Deutschland. Dort werden minimal-invasive Operationsverfahren ausgeführt, die aufgrund der begrenzten direkten Sicht auf das Herz bildgebende Verfahren wie die Echokardiographie und ein Durchleuchtungsverfahren benötigen. „Die Option für beide Verfahren ist in einem Hybrid-OP vorhanden. Sie werden meist simultan eingesetzt“, sagt Rastan. Darüber hinaus ist der herzchirurgische OP mit einem speziellen Linksherzkatheter-Messplatz ausgestattet. Im Hybrid-OP werden hauptsächlich schonende Herzklappeneingriffe minimal-invasiv vorgenommen. Für die katheter-basierten Verfahren muss der Brustkorb nicht geöffnet werden. So sind die Patienten nach dem Eingriff schneller wieder mobil und haben weniger Schmerzen. Weitere routinemäßige Operationen im Hybrid-OP sind spezielle Mitralklappeninterventionen, komplexe Herzschrittmachereingriffe sowie eine Vielzahl gefäßchirurgischer Eingriffe, besonders an der großen Körperschlagader.

Katheter-basierte Aortenklappenimplantation
PD Dr. Ardawan Rastan ist auf minimal-invasive Katheterverfahren spezialisiert. Dazu zählen die transapikale (die Klappe wird über einen kleinen Einschnitt zwischen den Rippen implantiert) und transfemorale (die Klappe wird über die Leistengefäße implantiert) Aortenklappenimplantation – zwei neuartige minimal-invasive Verfahren, die vor allem für Patienten mit einem hohen operativen Risiko zur Verfügung stehen. Dieser Eingriff wird in der Regel ohne Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen ausgeführt. Durch kleine Hautschnitte wird ein großes Operationstrauma vermieden. Diese Vorteile wiegen die Nachteile eines solchen Eingriffs wie eine nicht selten verbleibende Undichtigkeit des neuen Klappenventils auf.Vor allem ältere und geschwächte Patienten, die bereits eine Vielzahl von begleitenden Organerkrankungen mitbringen, profitieren von dem katheter-basierten Verfahren. Darüber hinaus auch jüngere Patienten mit spezifischen Risiken wie einer Voroperation am Herzen, einer früheren Bestrahlung des Brustkorbes, einer starken Verkalkung der Hauptschlagader oder bei schweren Lebererkrankungen. „Der konventionelle chirurgische Aortenklappenersatz ist für den normalen Patienten dagegen kaum noch mit einem operativen Risiko verbunden und kann auch über einen kleinen, kosmetisch günstigen Hautschnitt vorgenommen werden“, sagt Rastan. „So können die neuen Kathetertechniken für den sonst gesunden Patienten kaum bessere Ergebnisse liefern.“

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