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Gesund im Unternehmen

Experten fordern neue Alterskultur in Betrieben

Die Erwerbstätigen werden älter, die Gesundheitsressourcen knapper. Allein im Vorjahr stiegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten um vier Prozent. Ursachen sind vor allem wachsende Anforderungen im Beruf. „Stress und ständige Erreichbarkeit fordern ihren Tribut, wir müssen zu einem vernünftigen Maß der Verfügbarkeit zurückfinden“, sagt Marion Caspers-Merk, Präsidentin des Kneipp-Bundes. Anlässlich der Tagung „Zukunft Prävention 2012: Alter(n) – was geht? Länger gesund im Job“ fordert die Präventionsexpertin mehr Anstrengungen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung: „Noch immer warten wir auf die angekündigte Präventionsstrategie. Die Politik muss endlich liefern. Viele Betriebe suchen Unterstützung bei der Sicherung von Beschäftigungsfähigkeit.“

Unternehmerisches Risiko birgt nicht nur der Fachkräftemangel, sondern auch die Gesundheitsperspektive von älter werdenden Belegschaften. Bald schon wird jeder dritte Arbeitnehmer über fünfzig Jahre alt sein. Zwar sind die ältesten Arbeitnehmer durchschnittlich nur halb so oft krankgeschrieben wie die jüngsten, dafür aber mehr als viermal so lang. Insgesamt entfallen auf sie 2,5-fach höhere Fehlzeiten. Für Dr. Matthias Girke vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) geht es nicht nur um den Erhalt der Arbeitskraft älterer Arbeitnehmer. „Wir brauchen eine neue betriebliche Alterskultur, die bei den individuellen Fähigkeiten und konkreten Arbeitsbedingungen älterer Erwerbstätiger ansetzt.“ Nur dann sei es möglich, auch länger gesund zu arbeiten.

Gesundheit ist ein Unternehmenswert
„Es wird immer deutlicher, dass die Gesundheit von Belegschaften eine wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist – und mindestens genauso wichtig wie Kapital, Technik oder Produkte. Nirgendwo tritt das wirtschaftliche Potenzial von Prävention deutlicher zutage als im Erwerbsleben“, unterstreicht der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Ob Prävention Geld spare, sei nicht einfach zu beantworten, denn schließlich könne auch ein optimales Präventionsprogramm niemandem das ewig gesunde Leben garantieren. „Im Erwerbsleben hingegen ist der mögliche Nutzen offenkundig: Geringere Fehlzeiten sichern die Leistungsfähigkeit und minimieren das unternehmerische Risiko“, betont Schlenker.

Betriebliches Gesundheitsmanagement zeugt von Weitsicht
In solch einer Situation können politische Weichenstellungen wie die Rente mit 67 nur ein Anfang sein. Auch findige Personalgewinnungsstrategien oder die Entwicklung einer attraktiven Arbeitgebermarke werden im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte häufig nicht ausreichen. Deshalb sollte weitsichtige Personalpolitik auf bestehende Personalressourcen und ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement setzen. „Mit ein paar Fitnessangeboten ist es nicht getan. Neben klassischen Angeboten der Gesundheitsförderung sollten Initiativen zur Stärkung der psychischen Gesundheit und der Führungskultur treten“, sagt Schlenker.
Es gelte beispielsweise soziale Beziehungen zu fördern, Regenerationsmöglichkeiten zu schaffen, Beschäftigungsfähigkeit zu sichern und eine wertschätzende Kultur zu leben. Auch die flexible Arbeitsgestaltung gewinne an Bedeutung. Wichtige Stichpunkte sind Ergonomie, Mischarbeit, Verringerung von Zeitdruck, keine starren Arbeitszeiten.
Was zudem gebraucht wird: eine neue betriebliche Alterskultur. „Nicht die Förderung junger olympiareifer Belegschaften darf im Vordergrund stehen, sondern das produktive Miteinander von Jüngeren und Älteren“, sagt Schlenker. Unternehmen müssten sichtbare und unsichtbare Altersgrenzen bei Einstellung, Weiterbildung und Beförderung abbauen. Und: Aktivitäten sollten auf das gesamte Erwerbsleben gerichtet sein, „und die zukünftig Alten ebenso bedacht und einbezogen werden“, sagt Schlenker. NH

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