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Gesundheit und mehr Wohlbefinden

Gefangen im Stimmungstief

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit circa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Jeder Mensch kennt Phasen der Niedergeschlagenheit, Erschöpfung und Unlust. Wie oft kann man sich auf nichts freuen und sagt: „Das alles deprimiert mich so!“ Solche Momente können durch vieles ausgelöst werden – zum Beispiel zu viel Stress im Job. Allerdings muss es sich dabei noch nicht um eine Depression handeln, sondern um ein Stimmungstief, das wieder vergeht – zum Beispiel wenn die Arbeitsüberlastung abnimmt.

Eine Depression hat viele Gesichter
„Wer an einer Depression erkrankt, kann sich aus eigener Kraft aus der gedrückten Stimmung nicht mehr befreien. Eine unbehandelte Depression bessert sich in der Regel nicht von selbst“, sagt Martin von Hagen, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie (ZPP) am Klinikum Werra-Meißner. Traumatisierungen in der Kindheit, Veränderungen im Lebensgefüge und körperliche Erkrankungen können ebenso dazu führen wie der Verlust eines Menschen oder Überlastung im Arbeitsleben. „Depression hat viele Gesichter. Sie kann jeden treffen.“, sagt von Hagen. Die Betroffenen empfinden innere Niedergeschlagenheit, Leere, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit oder auch Angst. Diese Gefühle beeinträchtigen zunehmend den Alltag, können zu Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Libidoverlust führen, und sie können von körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Magendrücken, Rückenschmerzen oder Herzbeschwerden begleitet werden

Gute Behandlungsmöglichkeiten nutzen
„Depression ist behandelbar, dennoch erhält nur eine Minderheit eine optimale Behandlung“, sagt Marita Krähling, Psychologische Psychotherapeutin im ZPP. „Es gibt viele Gründe: Mangelnde Energie, sich Hilfe zu holen, diagnostische und therapeutische Defizite, Unterschätzung der Schwere und auch Stigmatisierung der Erkrankung.“ Es stehen mit der Psychotherapie und Pharmakotherapie, stationär, teilstationär und ambulant, jedoch wirksame Behandlungsverfahren zur Verfügung. In Deutschland liegen die Kosten in Folge depressionsbedingter Frühberentungen laut Stiftung Deutsche Depressionshilfe bei rund 1,5 Milliarden Euro jährlich. An Arbeitsunfähigkeit werden nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit pro Jahr etwa elf Millionen Tage durch über 300 000 depressive Erkrankungen verursacht. Unternehmen stehen also vor einer Herausforderung. „Es muss ein angemessener Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz etabliert werden, besonders präventive Maßnahmen und Prozesse der Wiedereingliederung“, sagt Krähling. Das Wahrnehmen der Symptome fällt oft ebenso schwer, wie zu unterscheiden, ob die Betroffenen nur erschöpft sind oder ob die Veränderungen Anzeichen einer Depression sind. „Langjährige engagierte Mitarbeiter verändern sich plötzlich. Konzentrationsprobleme, Motivationsverlust, Dünnhäutigkeit, Reizbarkeit, aber auch sozialer Rückzug können zu den auffälligsten Veränderungen zählen“, sagt von Hagen.

Arbeitsbedingter Stress als Auslöser
Die Kombination aus ungünstigen Faktoren der Arbeitssituation wie wechselnde Aufgabenfelder, Arbeitsverdichtung,
Arbeitsplatzunsicherheit und Zeitdruck und gleichzeitig ungünstige persönlichen Faktoren wie schlechte Stressverarbeitung, überhöhter Leistungsanspruch, übersteigertes Harmoniebedürfnis oder einfach nie Nein sagen, können zu arbeitsbedingtem Stress führen und damit eine Depression
auslösen.

Information und Hilfe
Das Bündnis für Depressionen, das auch in Nordhessen vertreten ist, bietet sachliche
Informationen und vermittelt vor allem praktische Hilfen für den Umgang mit Betroffenen. „Besonders Betriebsärzte, Sozialdienste, Führungskräfte oder Betriebsräte, die mit depressiven Mitarbeitern in Kontakt kommen, können sich informieren“, sagt Krähling, die Vertreterin des Bündnisses ist. So erfährt man zum Beispiel mehr über das Erkennen von Depressionen, die Gesprächsführung in schwierigen Situationen oder antidepressive Faktoren von Arbeit.

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